Fachbibliothek Mathematik


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Geschichte

Das Naturwissenschaftliche Seminar der Universität Bonn wurde im Jahr 1825 gegründet. Bis zur Schließung des Seminars im Jahre 1887 wurden für die einzelnen Disziplinen einzelne Institute, so auch das Mathematische Seminar, gegründet. [1]

Im Mathematischen Seminar entstanden über die Jahre einzelne, kleinere Büchersammlungen. Im Sommer 1928 wurde Erich Bessel-Hagen von Otto Toeplitz zum Aufbau der neugegründeten historisch-didaktischen Abteilung des Mathematischen Seminars nach Bonn geholt. [2] Dieser begann schon früh während seines mathematischen Werdeganges wertvolle Bücher und Manuskripte in größerem Maßstab zu sammeln. Diese gliederte er teils in seine eigene Sammlung, teils in die Büchersammlung der historisch-didaktischen Abteilung des Mathematischen Seminars ein. [2]

Später half er während der Kriegsjahre Hinterbliebenen verfolgter Fachgenossen beim Verkauf der Bibliotheken, die so auch den Weg teils in seine und teils in die Sammlung der Historischen Abteilung fanden. Dabei kümmerte er sich auch um den Nachlass von Felix Hausdorff. [3]

Beim Luftangriff auf die Bonner Innenstadt am 18. Oktober 1944 wurde die Büchersammlung des Mathematischen Institutes vollständig zerstört, u.A. zahlreiche alte unersetzliche Werke und viele Originaldrucke aus dem 16. und 17. Jahrhundert. [3] Insbesondere der Nachlass des Dänen Johan Ludvig Heiberg wurde dabei zerstört. [2] Die private Sammlung Bessel-Hagens blieb jedoch weitgehend unversehrt. [3]

Nach dem Tod Bessel-Hagens wurde die Sammlung an seinen ehemaligem Kollegen Ernst Peschl zum Sichten und Inventarisieren gegeben. Danach ging Bessel-Hagens Nachlass in den Besitz des Mathematischen Institutes über und wurde so in die neu aufgebaute Bibliothek des Mathematischen Institutes eingegliedert. [2] Auf diese Weise hat sich Bessel-Hagen um die Sicherung und Rettung wertvollen Kulturgutes über die Kriegsjahre verdient gemacht.

Das Mathematische Institut übergab den wissenschaftlichen Teil des Nachlass' Bessel-Hagens und die in der Bibliothek verbliebenen Teile der Nachlässe Felix Hausdorffs und Otto Toeplitz' im Jahr 1981 größtenteils an das Universitätsarchiv ab. [2]

Über die Jahre wurden weitere Nachlässe in die Bibliothek des Mathematischen Instituts integriert, u.A. von Hans Beck (1876-1942), Wolfgang Krull (1899-1971), Ernst Peschl (1906-1986), Otto Endler (1929-1988), Johannes David Lüders (1915-2002), Jens Petersen (-1994) und Philipp Wulff (1970-2003).

Ein größerer Umbau der Bibliothek erfolgte in den Jahren 1997-2000, damit dem gestiegenen Platzbedarf für ein größeres Bücher- und Zeitschriftenangebot Rechnung getragen werden konnte. Gleichzeitig wurden erstmals Computer-Arbeitsplätze eingerichtet. [4]

Im Jahr 2009 erfuhr die Bibliothek grundlegende Veränderungen: In Kooperation der Universitäts- und Landesbibliothek, des Mathematischen Institutes, des Instituts für Angewandte Mathematik und des Instituts für Numerische Simulation entstand die Fachbibliothek Mathematik. In Folge dessen fand die Lehrbuchsammlung Mathematik der Universitäts- und Landesbibliothek in der Fachbibliothek Mathematik eine neue Heimat. Darüber hinaus zog die Bibliothek in die Räume des neu eröffneten Mathematik-Zentrums in der Endenicher Allee 60. [5]

Literatur

[1]
Gert Schubring: Das Bonner naturwissenschaftliche Seminar (1825-1887) - Eine Fallstudie zur Disziplinendifferenzierung. Acta Historia Leopoldina 43 (2004), 133-148.
[2]
Erwin A. Neuenschwander: Der Nachlass von Erich Bessel-Hagen im Archiv der Universität Bonn. Historia Mathematica 20 (1993), 382-414.
[3]
Erwin A. Neuenschwander: Felix Hausdorffs letzte Lebensjahre nach Dokumenten aus dem Bessel-Hagen-Nachlaß. Darmstadt: Technische Hochschule, Fachbereich Mathematik, 1992.
[4]
Universität Bonn (Hrsg.): Forsch. Bonner Universitäts-Nachrichten. 2. Bonn, 2009.
[5]
Universitäts- und Landesbibliothek Bonn (Hrsg.): Bericht über das Jahr 2009. Bonn, 2009.

(c) Fachbibliothek Mathematik der Universität Bonn